Tante Friedas Schlabberküsse mag ich nicht-Vorwort mallothi.de
Tante Friedas Schlabberküsse mag ich nicht
Das legendäre Mal- und Arbeitsbuch zur Prävention sexuellen Missbrauchs

V o r w o r t
 

Zum Mal- und Arbeitsbuch "Tante Friedas Schlabberküsse mag ich nicht"
 
Das Thema Kindesmissbrauch ist ein Thema, das uns alle angeht und vor dem wir uns als Eltern und Erzieher nicht verschließen dürfen. Die Statistiken stimmen traurig und machen betroffen. Natürlich gibt es keinen absoluten Schutz vor sexueller Überschreitung. Niemand kann sein Kind so erziehen, dass es in jedem Fall vor sexueller Überschreitung sicher ist. Und es gibt keine Literatur, die einen direkten absoluten Schutz davor bietet.
Aber Literatur, in der dieses Thema ausgeglichen behandelt wird, kann einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung der Gefahr leisten. Das "Zauberwort" heißt also: Prävention. denn Kinder müssen eine selbstbewusste Einstellung zu sich selbst, ihrem Körper und ihren Rechten entwickeln. In dieser Hinsicht starke Kinder sind sicherer als angepasste, schwache Kinder, die sich nicht trauen, nein zu sagen, weil sie es nicht gelernt haben, weil es ihnen nicht gelehrt wurde.
Und hier sind alle Erzieher, Eltern und Pädagogen gleichermaßen, gefordert. Kinder müssen auf diesem Gebiet früh lernen, nein zu sagen, wenn sie etwas nicht wollen. Und das besonders auch gegenüber Erwachsenen.  Denn blinder Gehorsam schwächt. Verlangen wir zum Beispiel von unserem Kind nicht, dass es Verwandte oder Bekannte bei der Begrüßung küsst, sofern es nicht von selbst den Wunsch dazu hat. Sonst mag das Kind auch dann nicht nein sagen, wenn es darauf ankommt.

 

Ich möchte hier wiederholen, was eine große Tageszeitung über dieses Mal- und Arbeitsbuch schrieb: 
 

"Diese neue Ausgabe liefert klare, aussagekräftige Bilder mit einfachen Texten, die Anregungen für Gespräche zwischen Erziehern und Kindern liefern".
 
MT-Kurier, Meppen (Neue Osnabrücker Zeitung)

Und genau darauf kommt es an: Gespräche zu den einzelnen Bildern, die eine solide Basis sein können als Präventionsmaßnahme vor sexueller Überschreitung. Deshalb eine Bitte an alle, die dieses Arbeitsbuch mit Kindern besprechen: Lesen Sie bitte unbedingt im Interesse des Kindes die Anleitung zu diesem Buch und beachten Sie bitte die Anregungen darin. Denn dadurch wird dieses Arbeitsbuch, das ja auch ein Malbuch ist, eine "runde Sache" zum Thema "sexuelle Überschreitung". Zahlreiche Leser, die früher selbst Opfer waren und nun dieses Buch erhalten haben, äußerten in Leserbriefen, dass sie wünschten, während ihrer Kindheit auf diese Weise Hilfestellung erhalten hätten.

Allgemeines

Eine vom nordrhein-westfälischen Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Auftrag gegebene Untersuchung ergab, dass fast jedes fünfte Mädchen missbraucht wurde. Experten schätzen die Dunkelziffer jedoch sehr viel höher ein. Fast 90 Prozent der Täter sind Männer. Jedes zweite missbrauchte Kind ist jünger als zehn, jedes dritte bis vierte unter sechs Jahren.  Sexueller Missbrauch vermittelt einem Kind den Eindruck, dass es als Mensch nicht wichtig sind, sondern dass Erwachsene frei über es verfügen dürfen. Sexueller Missbrauch innerhalb eines Abhängigkeitsverhältnisses führt besonders dazu, dass das Kind das Gefühl entwickelt, ohnmächtig zu sein, sich nicht wehren zu dürfen. Und gerade hier, wo das Kind geradezu schutzlos ausgeliefert ist, ist auch die Gefahr am größten. Denn sexuelle Misshandlung geschieht in den allermeisten Fällen durch nahe Angehörige. Zur sexuellen Überschreitung gehört jeder Übergriff auf das Kind: das können vorsichtige heimliche Berührungen sein, bis hin zum erzwungenen Verkehr oder der Vergewaltigung. Auch das Erzwingen des Ansehens einschlägiger Lektüre, Bilder oder Texte ist sexuelle Gewalt gegen Kinder.

Zu diesem Mal- und Arbeitsbuch

Natürlich kann man kein Kind so erziehen, dass es in jeder Situation vor sexueller Überschreitung sicher ist.
Aber "starke Kinder" sind in jedem Fall sicherer, als angepasste, schwache Neinsager.

In diesem Sinne: ermutigen Sie Ihr Kind stets, über Gefühle zu sprechen. Kinder, die das gelernt haben, können auch neue und beängstigende Gefühle eher benennen. Sagen Sie Ihrem Kind von Anfang an, dass es "Geheimnisse", die ihm nicht geheuer sind, nicht für sich behalten muss, sondern jederzeit darüber reden darf: "NIEMAND KANN VON DIR VERLANGEN, DASS DU ÜBER ETWAS NICHT SPRICHST, WAS DIR ANGST MACHT!" Ihr Kind sollte früh lernen, nein zu sagen. Auch gegenüber Erwachsenen. 

Und genau hier setzt dieses Mal- und Arbeitsbuch an. Prävention ist in erster Linie Aufgabe von Erwachsenen. Helfen wir unseren Kindern, "starke Kinder" zu sein, die in Bezug auf ihren Körper lernen, nein zu sagen, nein sagen zu dürfen.
Nehmen Sie die Bilder zum Anlass für Anregungen zum Gespräch, zum Nachdenken über das Thema "sexuelle Überschreitung". Jedes Bild lädt gerade dazu ein, ein Gespräch zu führen. Jedes Bild kann eine eigene kleine Geschichte darstellen. Machen Sie auf Gefahren aufmerksam: dass es zum Beispiel nicht immer der "böse unbekannte schwarze Mann" ist, vielleicht gar noch mit einer Tüte Trüffel in der Hand - sondern dass sexuelle Übergriffe in den meisten Fällen durch nahe Angehörige oder Bekannte geschehen. 
Die Bilder sind bewusst so erstellt (Ausnahme Bild 16), dass es sich bei den Personen um Fremde, Angehörige oder Bekannte handeln kann. Gerade das gibt Spielraum für Gespräche.

UND NOCH ETWAS!
Wenn betroffene Kinder auf sich aufmerksam machen oder sich anderen anvertrauen, geschieht es häufig, dass sie nicht ernst genommen werden, dass gar nicht oder nicht in der richtigen Weise auf sie eingegangen wird. Bedenken Sie, dass dies ein Mal- und Arbeitsbuch ist. Diese Problematik kann man durch ein paar Zeichnungen mit etwas Text nicht ausführlich behandeln. Doch die letzten Seiten, insbesondere das Bild 25, sollte uns als Erwachsene in eigener Sache zum Nachdenken anregen. Wie gehen wir damit um, wenn ein betroffenes Kind sich uns anvertraut.

Dieses Mal- und Arbeitsbuch erhebt also keinesfalls den Anspruch, ein "Allheilmittel" zu diesem Thema zu sein. Es soll lediglich helfen, dass Kinder eine selbstbewusste Einstellung bekommen. Es kann Grundlage für Gespräche zwischen Eltern und Kindern oder Pädagogen und Kindern sein, die dieses Thema behandeln möchten.
Die Bilder und der Text zu diesem Buch sind nach Vorlagen und Skizzen von Pädagogen, Psychologen und betroffenen Personen in einem Zeitraum von mehr als 11 Monaten entstanden.

Wir haben uns mit der Ausarbeitung viel Mühe gegeben und hoffen, dass dieses Buch Ihnen gefällt und Ihren Kindern nützt.

                                                                     
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